FACE & BODY

Ich will Meer!

Eine Belebung des Stoffwechsels, sichtbar schönere Haut und entspannte Menschen: Die Segnungen einer Thalasso-Therapie sind hinlänglich bekannt. Wellness- Expertin Cornelia Klammt erklärt, wie sie wirkt und worauf genau es ankommt.

Veröffentlicht am 28.07.2021

Pralle, strahlende Haut mit deutlich weniger Fältchen oder messbare Umfangsreduzierung nach Anwendungen mit hochwertiger Meeres-Kosmetik: Thalasso heisst das Zauberwort, das neben Wohlfühlen auch für ein starkes Immunsystem und Gesundheit steht. Aus dem Griechischen kommend ist mit Thalasso nicht nur das Meerwasser gemeint, sondern alle in ihm enthaltenen guten Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine, Proteine und Aminosäuren. Sie sind im Meersalz, in Algen und Schlick vorhanden und werden sowohl innerlich als auch äusserlich genutzt. Hier reinigen, entgiften, entschlacken, reaktivieren und entspannen Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Kalium und Natrium, Proteine, Aminosäuren und Spurenelemente. Ergebnis ist ein vitalisierter Stoffwechsel, sichtbar schönere Haut und entspannte Menschen.

Vor 150 Jahren verband der französische Arzt Joseph La Bonnardière das Meer («Thalassa ») mit Behandlung («Therapie»), nachdem vor 2000 Jahren schon Hippokrates die Heilkraft des Meerwassers speziell bei Rheuma- Beschwerden nutzte. 1792 behandelte der Arzt Dr. Friedrich Wilhelm von Halem auf Norderney Patienten mit Algen, bevor Friedrich- Wilhelm II. von Preussen die Insel 1797 zum ersten deutschen Nordseeheilbad kürte. Vier Jahre früher war Heiligendamm erstes deutsches Ostseebad geworden, in dem das Meerwasser nicht nur äusserlich zum Baden, sondern auch innerlich angewendet wurde. Meerwasser, Algen und Schlick trugen zur Gesundung bei Haut- und Atemwegserkrankungen, Gelenkbeschwerden und zur Stärkung des Immunsystems bei. Mit der Zeit nahm das Wissen über die Rolle von Jod und Meer für den Menschen zu. Heute erfreut sich die Thalasso-Therapie dank des gestiegenen Wohlfühlbedürfnisses und der Wellness-unterstützten Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit zunehmenden Interesses.

 

Prima Klima an Nord- und Ostsee

Eine der Grundlagen und Voraussetzungen für Original-Thalasso ist das Reizklima, das sich an den Küsten von Nord- und Ostsee unterscheidet. Die an der Ostsee fehlenden Gezeiten und ein Salzgehalt von bis zu 1,8 % schaffen am Binnenmeer mit häufigen Baumstreifen am Ufer ein mildes «Waldklima», das Herz- und Kreislauf schont. An der Nordsee mit Ebbe, Flut, einem Salzgehalt von 3,5 % und Ausläufern des Golfstroms geht es klimamässig rauer zu. In Einheit von Wind, Temperatur, Sonnenstrahlung, Meersalz und Luftfeuchtigkeit fordert das Reizklima den Organismus und entspannt gleichzeitig. Der Körper passt sich dem Kältereiz des Windes an, produziert eigene Wärme und das Immunsystem wird gestärkt.

Das intensivere Reizklima der Nordsee bietet besonders bei Flut und Wellengang in der Brandungszone, wo die Wellen auf den Strand schlagen, einen höheren Salzgehalt in der Luft. Bei Ebbe oder Windstille ist auch dieser maritime Aerosolanteil geringer. Die feinen Salztröpfchen gelangen in den Nasen- und Rachenraum bis hin zu den Lungenbläschen. Der Schleim aus den Atemwegen löst sich, Nase und Rachen werden frei.

In den ersten Urlaubstagen am Meer haben viele Menschen eine «laufende Nase», bevor die Atmung umso besser funktioniert. Auch bei Asthma, chronischer Bronchitis und Nasennebenhöhlen-entzündungen wirkt die pollen- und schadstoffarme Meeresluft Wunder. Nach einem Meeres-spaziergang sammeln sich bis zu zwei Gramm Salz auf der Haut an. Es wirkt leicht entzündungs-hemmend und löst die Hautschüppchen. In Verbindung mit der speziellen UV-Strahlung am Meer, die vom Wasser reflektiert und dadurch verstärkt wird, erhöht sich die Ausschüttung körpereigenen Kortisols und die Vitamin-D-Produktion wird gefördert.

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Die Wirkstoffkonzentration im Schlick ist zehnmal höher als bei Meerwasser. Schlickpackungen entspannen und beeinflussen das vegetative Nervensystem

Die Wirkstoffkonzentration im Schlick ist zehnmal höher als bei Meerwasser. Schlickpackungen entspannen und beeinflussen das vegetative Nervensystem

Jahrtausendealtes Wissen

Seit der Antike wurden Bäder mit klimatischen Faktoren wie Luft, Wind und Sonne verbunden (Klimatherapie). Seit 2009 fokussiert sich die Nordseeinsel Norderney auf ihre natürlichen Vorzüge. Verteilt über die Insel wurden spezielle Aussichtsplattformen errichtet, um dicht am Wasser den kräftig-salzigen Wind intensiv erleben zu können. Das vielfach prämierte öffentliche bade:haus norderney pflegt mit Freiluftflächen, einer Wasserebene mit verschieden temperierten Becken sowie Meeres-anwendungen konsequent das jahrtausendealte Wissen.

Auf der Nachbarinsel Spiekeroog locken InselBad & DünenSpa. Thalasso-Zentren auf Juist, das Nordsee-Heilbad Cuxhaven-Duhnen oder das Ostseebad Rostock-Warnemünde sind Vorreiter für eine ganzheitliche Orientierung hin zu vorhandenen Vorzügen und bekanntem Wissen. Wer eine originale Thalasso-Therapie machen möchte, sollte mindestens eine Woche Zeit dafür einplanen. Auch verkürzt wirken Meer und Natur.

«Thalasso ist eine Lebensphilosophie», sagt Anna Pirker, Kosmetikfachwirtin, Thalasso- Therapeutin, Masseurin und medizinische Bademeisterin des bade:haus norderney. Aus Liebe zu natürlichen Wirkstoffen zog es die Österreicherin an die See. «Salz ist basisch. Unser gereinigtes Nordseewasser hat einen pH-Wert von 7,78 und gleicht der Zusammensetzung des menschlichen Blutes, auch von den Mineralstoffen her. Diese Mischung wird bei intakter Hornschicht ideal über Osmose von der Haut aufgenommen», erklärt die Thalasso- Therapeutin.

Meerwasser und Salz helfen den natürlichen Säureschutzmantel der Haut zu regenerieren. Die enthaltenen Spurenelemente und Mineralstoffe verbessern Durchblutung und pH-Wert und befreien das Gewebe von Giftstoffen. «Besondere Wirkung für unreine, sensible Haut hat der hohe Anteil an Sauerstoff, mit dem Meerwasser auf natürliche Weise angereichert ist.» Warmes Meerwasser und wechselwarme Anwendungen unterstützen die Wirkungsweise zusätzlich. «Bei Wärme sind die Ionen intensiver, die Bindungsfreundlichkeit der Elektrolyte verbessert sich. Damit werden in unserem 42 Grad warmen Feuerbad sehr schnell die Muskeln entspannt und das Meerwasser wirkt intensiver.»

 

Vollkommen entspannt

Auch Algen und Schlick sind durch die Meereswirkstoffe mineralisierend, vitalisierend, entzündungshemmend, entschlackend und feuchtigkeitsspendend. «Im Schlick sind die Wirkstoffe zehn Mal höher konzentriert als im Meerwasser», so Anna Pirker. Weiterer Unterschied: «Schlick enthält nicht so viel Jod wie die Alge. Dafür haben wir aufgrund des speziellen Klimas mit Gezeiten und Wind eine hohe Konzentration an Wirkstoffen wie Magnesium, Chlor, Kalium, Schwefel und eine einzellige Mikroalge in unserem Schlick. Durch Ebbe und Flut fein gemahlener Muschelkalk ergänzt die Wirkstoffe. Mit einer Temperatur von 47 Grad auf die Haut aufgetragen, entfaltet sich die optimale Wirkung. Die Muskeln entspannen, das vegetative Nervensystem wird beeinflusst. Hinterher fühlt man sich immer etwas schlapp, aber vollkommen entspannt.»

Nach einer Schlickpackung sollte unbedingt nachgeruht werden, damit sich die angeschobenen chemischen Prozesse im Körper entwickeln können und die Haut sich reguliert. Gleiches gilt für Algen. Sie weisen neben mehr Jod einen noch intensiveren Anteil an marinen Inhaltsstoffen auf und wirken wesentlich intensiver als Schlick. «In einem Kilo Algen befinden sich Inhaltstoffe von 100 000 Litern Meerwasser», so Anna Pirker.

«Mit seinen einfachen Elementen bietet Thalasso eine tiefgehende Wirksamkeit. Die Meereswirkstoffe bringen den Menschen wieder zu seiner Mitte.» Und die Haut bedankt sich für die maritime Nahrung und Pflege mit strahlender, weicher Frische.

 

 

 

 

Cornelia Klammt war als Redakteurin und Autorin für ARD, ZDF und RTL tätig, bevor sie Kosmetik, Massagen und Spa-Management lernte und in verschiedenen Spas arbeitete. Heute unterstützt sie Wellness-Anbieter und Kosmetikunternehmen bei der Öffentlichkeitsarbeit.

www.corneliaklammt.de

 

 

 

Text: Cornelia Klammt

Fotos: stock.adobe.com (2), Cornelia Klammt (1)

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