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Mit Feingefühl

Narben, Schlupflider, Übergewicht: Kunden mit körperlichen Auffälligkeiten sind oft besonders empfindlich. Mit den richtigen Worten können Sie als Kosmetikerin diese Themen dennoch ansprechen. Wichtig dabei: Seien Sie behutsam und wertschätzend.

Veröffentlicht am 23.12.2021

Jeder Mensch ist absolut einmalig – und das ist auch gut so. Wir unterscheiden uns dem Wesen nach, aber auch durch unser Äusseres. Haar- und Augenfarbe, die Körpergrösse oder die Form des Gesichts und seiner einzelnen Komponenten stellen nur einen Bruchteil der Unterschiede dar. Diese Vielfalt ist etwas Schönes. Es gibt aber auch Merkmale, die als «Makel» angesehen werden. Zwar ist das Thema Body Positivity in den Medien und der Öffentlichkeit immer präsenter. Dennoch ist hier noch viel Arbeit zu leisten, um eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für körperliche Besonderheiten zu schaffen, die nicht der Norm und den gängigen Schönheitsidealen entsprechen und bei Betroffenen häufig Unsicherheit und mangelndes Selbstwertgefühl zur Folge haben. Wie Sie Kunden mit solchen Besonderheiten behutsam ansprechen, erfahren Sie hier.

 

Eine Frage des Selbstbewusstseins

Entscheidend ist die Art und Weise, wie Sie mit Ihren Kunden über deren körperliche Besonderheiten sprechen. Niemand sollte sich bei Ihnen unwohl fühlen. Allerdings können Sie nicht immer wissen, wie selbstbewusst eine Kundin ist – besonders, wenn es sich um eine neue handelt. Sprechen Sie körperliche Besonderheiten offen an, kann das Ihr Gegenüber verschrecken, beschämen oder verunsichern.

Es gibt aber auch Menschen, die eine direkte Ansprache schätzen und denen es eher unangenehm ist, wenn um den «heissen Brei» herumgeredet wird. Das sollten Sie allerdings nur wagen, wenn Sie den Kunden gut kennen und einschätzen können. Verletzende Ausdrücke sollten Sie grundsätzlich vermeiden. «Pro bleme», «Störungen», «Anomalien» und ähnliche Begriffe klingen negativ. Wählen Sie Worte, die neutral sind und keine Wertung beinhalten. Mit Fachausdrücken sind Sie meist auf der sicheren Seite, umgangssprachliche Begriffe hingegen sind heikel und können – je nach Ansprechpartner – leicht als kränkend aufgefasst werden.

 

Empathie und Fachkompetenz

Natürlich kommt es im Institutsalltag auch immer wieder vor, dass Kundinnen gerne etwas gegen ihre vermeintlichen «Makel» unternehmen wollen. Oder dass man Besonderheiten einfach ansprechen muss, weil das für den Behandlungsablauf und die Pflegeempfehlungen relevant ist. Etwa, wenn es um Narben, Muttermale oder Pigmentverschiebungen geht. Für all diese Situationen ist es wichtig, die richtigen Worte zu finden und angemessene Begriffe zu benutzen. Und zwar behutsam, mit viel Empathie und Einfühlungsvermögen sowie der nötigen Fachkompetenz.

Pigmentverschiebungen: Diese treffen wir häufig an – in Form von Altersflecken, Melasmen, Muttermalen, Sommersprossen, postinflammatorischer Hyperpigmentierung oder Ähnlichem. Insbesondere, weil mit fortgeschrittenem Alter die Melaninproduktion nicht mehr gleichmässig stattfindet, treffen Pigmentverschiebungen so gut wie jeden ab einem gewissen Alter. Begriffe wie Altersflecken oder Pigmentstörungen sollten trotzdem vermieden werden – sie wirken abwertend, auch wenn sie im Alltag häufig im Gebrauch sind. Niemand möchte sich «alt» fühlen oder eine «Störung» haben. Sprechen Sie lieber von Pigmentverschiebungen und erklären Sie Ihrem Kunden die Hintergründe: An einigen Stellen wird zu viel Melanin gebildet und es kommt deshalb zu Unebenmässigkeiten in der Hautpigmentierung. Viele davon lassen sich sogar kosmetisch mit Whitening-Produkten ausgleichen, um das Hautbild ruhiger wirken zu lassen.

 

Eingeschränktes Sichtfeld

Schlupflider: Hier ist das bewegliche Oberlid zum Teil oder gänzlich durch einen Hautüberschuss verdeckt. Das Sichtfeld kann eingeschränkt sein, Lidschatten lassen sich nicht mehr gut auftragen, Mascara verschmiert schnell und der Blick wirkt erschöpft. Der geläufige Begriff Schlupflid kann schnell als unangenehm empfunden werden. Sprechen Sie lieber von einem Hautüberschuss am Oberlid durch verminderte Hautelastizität oder Genetik. Mit guter Pflege können fehlende Feuchtigkeit und Spannkraft verbessert werden, sodass die Haut wieder etwas straffer wird.

Auffällige Narben: Nach Wunden bleiben häufig Vernarbungen als Folge der Verletzung sichtbar, aus denen überwuchernde Narben entstehen können. Derartige Vernarbungen können sehr belastend sein. Im Volksmund werden sie oft als «wulstig» oder «wuchernd» beschrieben. Solche Formulierungen sollten Sie vermeiden, nennen Sie die Narben stattdessen bei ihren Namen: hypertrophe Narben oder Keloide. Erklären Sie, dass hier zu viel Bindegewebe produziert wurde und sich daher die Narbe vom restlichen Gewebe abhebt.

Augenringe: Augenringe werden in der Gesellschaft mit Schlafmangel, Drogenkonsum, Partys und schlechtem Lebensstil gleichgesetzt, was meist vollkommen falsch ist. Etwa 80 Prozent der Gesellschaft sind von den dunklen Schatten am Unterlid betroffen. Sprechen Sie Augenringe als das an, was sie fachlich betrachtet sind: eine Verfärbung am Unterlid. Die Haut unter den Augen ist besonders dünn, dadurch schimmern oft Blutgefässe hindurch. Erklären Sie dem Kunden diese Hintergründe. Kosmetisch helfen spezielle Peptide, die Verfärbung an die restliche Gesichtshaut anzugleichen.

Lippenspalte: Diese angeborene Spaltfehlbildung der Oberlippe ist meist deutlich sichtbar. Im Volksmund wird sie oft mit völlig veralteten Begriffen wie Hasenscharte oder Wolfsrachen beschrieben, beides sehr unschön und verletzend für Betroffene. Sofern notwendig, sprechen Sie die Fehlbildung besser mit Lippenspalte oder Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte an.

Pickel, Mitesser und Co.: Unreine Haut ist ein sensibles Thema, weil die Unreinheiten meist deutlich sichtbar sind und sich nur schwer kaschieren lassen. Vermeiden Sie gängige Begriffe wie Pickel und Mitesser, sprechen Sie lieber von Talgeinlagerungen, verstopften Poren oder Entzündungen. Dass unreine Haut aufgrund mangelnder Hygiene entsteht, ist ein verbreitetes Gerücht – klären Sie Ihre Kunden darüber auf, damit sie sich weniger für die Unreinheiten schämen.

Übergewicht: Übergewicht ist meist deutlich sichtbar, ein empfindliches Thema und in der Gesellschaft oft verpönt. Es existieren viele abwertende Begriffe, die Sie unbedingt vermeiden sollten: fett, dickbäuchig, stämmig, schwer, speckig, pummelig – wählen Sie Ihre Worte mit Bedacht, falls Sie dies ansprechen möchten. Bei weiblichen Kunden kann zum Beispiel «kurvig» oder «weiblich» eine wertschätzende Option sein. Beide Begriffe werden auch bei aktuellen Bestrebungen zu mehr Body Positivity und Selbstliebe häufig verwendet.

 

 

 

 

Sarah White

Die Kosmetikerin und Beauty Managerin (IHK) arbeitete mit plastischen Chirurgen in einer Praxis für medizinische Kosmetologie zusammen, bevor sie ihre Tätigkeit als internationale Trainerin für die Kosmetikbranche aufnahm. Sie ist Gründerin der Marke iluqua.

info@iluqua.com

 

 

 

 

Text: Sarah White

Fotos: stock.adobe.com (1), Sarah White (1)

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