SKIN & SCIENCE

Vor und nach dem Pieks

Die Arbeit mit Botulinumtoxin kosmetisch unterstützen

Veröffentlicht am 03.12.2020

Werden Mimikfalten ärztlich mit Botulinumtoxin behandelt, können Sie die entsprechenden Ergebnisse mit den passenden Angeboten fördern. Was sich als Pre- und Post-Treatment in Ihrem Institut eignet, erläutert Dr. Meike Streker.

 

Die Schweiz und viele andere Länder befinden sich derzeit mitten in einem demograf ischen Wandel. Das bedeutet, dass sich die sogenannte Alterspyramide gewandelt hat – und in den kommenden Jahrzehnten noch weiter verändern wird. Konkret heisst das, dass es immer mehr ältere Menschen und immer weniger junge Menschen gibt. Das ist zurückzuführen auf eine immer noch geringe Geburtenrate (auch wenn diese in den letzten Jahren minimal gestiegen ist) – bei einer gleichzeitig höheren Lebenserwartung. Gemäss Bundesamt für Statistik erfährt die Altersstruktur der Schweizer Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten beträchtliche Veränderungen. Ursachen sind einerseits ein Rückgang der Geburtenzahlen in den vergangenen Jahrzehnten, zum anderen die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1950 und 1970. Zudem erhöht sich die Lebenserwartung fortlaufend. Zugleich ist das Bewusstsein für Schönheit und Ausstrahlung in den letzten 100 Jahren sehr stark gewachsen. Soziologen wie Bernhard Fink haben in verschiedenen Studien dokumentiert, dass eine makellose bzw. homogene Haut, die frei von (Alters-) Flecken ist, als attraktiv und jung eingeschätzt wird. Andere Arbeiten zeigen zudem, dass tiefe Falten und Furchen unattraktiv machen.

 

Bewegung macht Falten

Neben statischen Falten wie z. B. der Nasolabialfalte stehen die Mimikfalten im Fokus der Attraktivitätsforschung. Unser Gesicht ist Zentrum von Interaktion und Kommunikation, wobei Kontraktionen unserer Gesichtsmuskeln zu Falten führen und damit Gefühle ausdrücken.

Häufige Emotionen wie Freude, Ärger und Traurigkeit resultieren in Mimikfalten: Anfangs dynamische Falten werden auf diese Weise letztlich dauerhaft. Dabei werden einzelne Falten als negativ erachtet. Ein Beispiel hierfür ist die Zornesfalte zwischen den Augenbrauen. Schon ihre Bezeichnung ist negativ besetzt – und eine starke Ausprägung lässt die Person häufig grimmig oder gestresst erscheinen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in den vergangenen 25 Jahren nicht nur die Nachfrage nach kosmetischen Anti-Aging-Strategien, sondern auch nach minimalinvasiven Verfahren in der ästhetischen Medizin sehr stark zugenommen hat. Die Behandlung mit Botulinumtoxin (BTX) Typ A stellt dabei die weltweit am häufigsten durchgeführte Massnahme zur Faltenreduktion dar. Dennoch zeigt eine im Jahr 2017 von der Gesellschaft für Ästhetische Botulinumtoxin- Therapie e.V. (DGBT) durchgeführte Umfrage, dass die meisten Frauen nicht gut über BTX informiert sind. So dachten 66 Prozent der Befragten, dass BTX die Nerven lahmlegt. Richtig ist jedoch, dass BTX vorübergehend die Ausschüttung der Übertragungssubstanz blockiert, die die Muskelanspannung anregt. Folge ist eine temporäre Muskelentspannung für einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten (abhängig vom individuellen Stoffwechsel), in dem damit zugleich die Falte geglättet wird. Wird die Behandlung fachgerecht durchgeführt, bleibt auch der natürliche Gesichtsausdruck erhalten, da BTX lokal wirkt und lediglich die behandelten Muskeln entspannt, welche die Falten verursachen. Die Wirkung der BTX-Injektion zeigt sich innerhalb einer Woche, meist bereits nach drei Tagen, sodass die Falten sich sichtbar reduzieren und die Patienten erholter und frischer aussehen.

 

Bei geschulter Anwendung

Unmittelbar nach der Injektion kann es zu einer vorübergehenden Rötung oder Schwellung an den Einstichstellen kommen. Auch leichte Kopfschmerzen werden als Nebenwirkung angegeben. Bei unsachgemässer Anwendung kann es zu unerwünschten Effekten wie einem hängenden Augenlid (Ptosis) oder sogenannten Spock-Eyes kommen. Wird das Medikament jedoch von erfahrenen und geschulten Medizinern angewandt, ist das Risiko von Nebenwirkungen auf ein Minimum reduziert. Ferner gaben bei der Umfrage der DGBT 70 Prozent an, dass langfristige BTX-Wirkungen nicht ausreichend erforscht seien. Richtig ist, dass BTX bereits seit den 1970er-Jahren in der Medizin einen weit verbreiteten Einsatz findet und auch die ästhetische Wirkung seit den 1990er-Jahren in vielen Studien erforscht ist. Daher ist der Erfahrungsschatz sehr gross. In der Hand eines erfahrenen Mediziners und bei geeigneter Indikation stellt BTX ein sehr sicheres ästhetisches Verfahren mit guten Resultaten und einer sehr hohen Patientenzufriedenheit dar.

 

Das Resultat verbessern

Um die Ergebnisse einer BTX-Behandlung im Kosmetikinstitut zu unterstützen, stehen der Beauty-Dienstleisterin verschiedene Optionen zur Verfügung. Grundsätzlich gilt, dass vor der Behandlung keine Vorsichtsmassnahmen erforderlich sind. Innerhalb der ersten 24 Stunden danach sollten keine kosmetischen Behandlungen durchgeführt werden, da eine Massage etwa zu einer Migration von BTX führen könnte. Rund zwei Wochen nach der BTX-Injektion ist bei den meisten Therapeuten ein Kontrolltermin eingeplant. Hier wird mit dem Patienten gemeinsam das Ergebnis besprochen. Auch in diesem Zeitraum sollte nicht kosmetisch behandelt werden. Erst wenn die volle BTX-Wirkung eingesetzt hat und der Patient mit dem Ergebnis zufrieden ist, kann dieses Resultat mithilfe von kosmetischen Massnahmen unterstützt werden.

So gibt es z. B. kosmetische Wirkstoffe, die die Effekte von BTX nachahmen und den Zeitpunkt einer eventuellen neuen Injektion herauszögern können. Der bekannteste Wirkstoff ist sicherlich Argireline, der zu der Gruppe der Neurotransmitter inhibierenden Peptide gehört.

Argireline ist ein Acetylhexapeptid, das aus sechs Aminosäuren besteht und die Haut oberflächlich entspannen soll. Wie in einer kosmetischen Studie an zehn Probanden gezeigt werden konnte, war nach einer 30-tägigen Anwendung einer O/W-Emulsion mit 10 Prozent Argireline die Faltentiefe um 30 Prozent reduziert. Weitere aussagekräftige Studien fehlen bisher jedoch. Es ist zu beachten, dass Argireline und vergleichbare Wirkstoffe nicht das gleiche Wirkspektrum wie BTX haben, sich aber sehr gut zur Faltenvorbeugung und zur pflegenden Behandlung eignen.

Weitere Peptide, wie z. B. Polypeptide und Oligopeptide, sind ebenfalls effektive Wirkstoffe, die nach einer BTX-Behandlung das Ergebnis optimieren können. In verschiedenen Studien konnte dem Polypeptid Palmitylpentapeptid-3 eine Anti- Aging-Wirkung nachgewiesen werden. Nach einer 12-wöchigen Anwendung konnte eine Stimulation des kollagenen Bindegewebes dokumentiert werden, was sich in einer Zunahme der Hautdichte und -dicke zeigte. Ferner konnte eine Zunahme der Hautglätte und eine signifikanten Abnahme der Hautrauigkeit aufgezeigt werden. Oligopeptide sind ebenfalls sehr gut wissenschaftlich dokumentiert. Sie stimulieren die Kollagen- Neosynthese, was eine Verbesserung der Hautstruktur mit sich bringt – und somit auch eine Verbesserung der Hautqualität.

 

Vielfalt an Massnahmen

Apparative Verfahren wie das Microneedling oder die Mikrodermabrasion sowie ein Fruchtsäurepeeling können nach einer BTX-Behandlung angeboten werden, um die Hautqualität allgemein zu verbessern. Alle Verfahren können die Wirkung von BTX nicht herabsetzen, da sie epidermal wirken, während BTX in den Muskel injiziert wird. Auch das Einschleusen von effektiven Wirkstoffen mittels Ultraschall stellt keine Kontraindikation nach einer BTX-Behandlung dar. Lediglich muskelstimulierende Verfahren wirken kontraproduktiv.

Bei den minimal-invasiven Behandlungen geht es heute darum, den Patienten frisch und attraktiv aussehen zu lassen und seine positive Ausstrahlung auf das Gegenüber zu fördern. Dieses Ziel können Sie mit den beschriebenen Massnahmen gut unterstützen. 

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  • Indikation von Botulinumtoxin (BTX)
  • Glabella (Zornesfalte)
  • Horizontale Stirnfalten (Denkerfalten)
  • Augenbrauenlift
  • Periorbitale Falten (Krähenfüsse, Lachfalten)
  • „Bunny Lines“ (Nasenfalten)
  • Periorale Falten (Fältchen um den Mund, Raucherfalten)
  • Kinnfalten (Pflasterkinn, Querfalte zwischen Lippe und Kinnspitze)
  • Halsfalten (Platysmaband)   

 

 

Autorin:

Dr. Meike Streker ist Kosmetikwissenschaftlerin mit umfassender Erfahrung im Bereich kosmetischer und klinischer Forschung. Sie ist Dozentin am Fachbereich Kosmetikwissenschaft der Uni Hamburg und als Referentin auf Fachkongressen, Trainerin sowie Fachautorin aktiv.

KONTAKT:

Dr.Streker@web.de

 

Text: Dr. Meike Streker

Fotos: stock.adobe.com

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