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Zieh dich gut an!

Viele Menschen brauchen Unterstützung bei der Auswahl ihrer Kleidung. Ohne diese merken sie nicht, wie sie auf andere wirken. Wer aber Schönheit verkauft, der sollte sie selbst auch zeigen. Anregungen dazu von unserer Expertin.

Veröffentlicht am 15.08.2021

Dieses Thema dürfte eigentlich gar keines sein, wenn Sie bereits z. B. ein Kosmetikinstitut, ein Nagelstudio, eine Fusspflegepraxis oder ein Haarentfernungsstudio haben. Oder wenn Sie in einem dieser Bereiche arbeiten. Wobei es ganz egal ist, ob Sie „nur“ an der Rezeption zu tun haben, den Behandelnden zuarbeiten oder selbst Behandler und/oder Inhaber sind.

Aber immer wieder muss ich feststellen, dass sich viele Personen selbst in diesen Beauty-Arealen keine Gedanken darüber machen, wie sie auf ihre Kunden durch ihr Äusseres wirken, wie sie wahrgenommen werden, und wie wichtig das für den Erfolg des Geschäftes ist.

In manchen Arztpraxen, vor allem in den grösseren Praxen oder Gemeinschaftspraxen mit vielen Mitarbeitern, hat sich eine einheitliche Kleidung der Chefs und Mitarbeiter etabliert. Ebenso in Physiotherapie- Einrichtungen oder Ähnlichem. Jedoch, auch da gibt es einiges zu bemängeln. Bleiben wir doch einmal bei dieser für den Inhaber einfachsten Kleiderordnung, auch wenn die Kosten zu seinen Lasten gehen.

Die Praxisbekleidungsindustrie bietet inzwischen eine mannigfaltige Auswahl an Farben und Modellen an. Da kann man zwar auf den einzelnen individuellen Farbwunsch der Mitarbeiter keine Rücksicht nehmen. Auf die Grösse und Passform schon. Zu enge, kurze oder zu lange Oberteile und unpassende Hosenformen machen auf den Patienten oder Kunden einen unschönen und unharmonischen Eindruck.

 

Passendes Outfit zur Botschaft

Auch das Schuhwerk sollte mehr beachtet werden. Meistens ist es im medizinischen Bereich zu sehen: Durch den Wechsel vom Strassenschuh zu vermeintlich bequemen Crocs oder Birkenstocks wird das Gangbild nicht vorteilhafter.

Einige Male habe ich Praxen zum Thema Outfit und Styling beraten. Wir fanden dann immer zwei bis drei Hosenformen und ebenso mehrere Oberteile wie Kittel der Kasacks für Damen und Herren. Die Farbe sollte gleich sein, ob für die ganze Woche oder einzelne Tage – das hängt vom Wunsch und Geschmack sowie dem Budget des Inhabers ab.

Eine Apotheke in meinem Umfeld hat dieses Problem sehr gut gelöst. Zu schicken weissen Kitteln in der passenden Form für den jeweiligen Träger gibt es wunderschöne mehrfarbige Schals und ein passendes Einstecktuch für den Chef. Selbst wenn die Chefin mal kurz in Strassenkleidung im Verkaufsraum einspringt, trägt sie das Tuch und signalisiert so die Zusammengehörigkeit. Eine gute Idee.

Nun aber zurück in das Kosmetikinstitut. Im Arbeitsleben erwartet man angemessene Kleidung, damit das Outfit des Gegenübers nicht ablenkt und man sich auf die Behandlung konzentrieren kann. Sie können die Botschaft, die Sie an Ihrem Arbeitsplatz vermitteln wollen, mit Ihrem Outfit zum Ausdruck bringen. Dadurch werden auch Sie selbstzufriedener und gewinnen Selbstbewusstsein

Egal ob Einheitskleidung in Form von Kitteln, Hosen, Röcken, Polos oder Shirts, die Kleidung sollte gut zu reinigen sein. Make-up-Flecken, fettige Cremereste oder Farbspritzer sollten nach dem Waschen nicht mehr zu sehen sein. Also auf jeden Fall die Pflegehinweise beachten. Auch aufgetrennte Säume oder Nähte und fehlende Knöpfe sind ein No-Go.

 

Sparsam mit Accessoires

Es spricht nichts dagegen, normale Kleidung, also keine Modelle aus dem Praxisbedarfs-Katalog, zu tragen. Aber es sollte keine Strassenkleidung sein, das heisst diese Kleidungsstücke sollten nur zum Arbeiten getragen werden.

Ein weiterer Punkt ist die Passform. Oft sehe ich zu enge Oberteile oder Hosen. Natürlich muss es auch kein Zelt sein. Und auch das Material ist wichtig. Vor Kurzem wurde ich in einem Kosmetikinstitut von der Inhaberin in einem schwarzweissen Pulli behandelt, was farblich durchaus zum Interieur passte. Leider war es ein Angora-Pulli und ständig kitzelten mich Fusseln im Gesicht. Eine schlechte Wahl!

Auch auf zu tiefe Ausschnitte und zu kurze Röcke sollte verzichtet werden. Die Arbeitskleidung sollte für alle notwendigen Bewegungen bei den Behandlungen bequem und keinesfalls zu eng sein. Accessoires, wenn überhaupt nötig, wählen Sie bitte so dezent wie möglich. Das bezieht sich auf Ohr- und Haarschmuck. Ringe und Armbänder haben im Behandlungsbereich sowieso nichts verloren, und ausser kurzen feinen Kettchen ist Halsschmuck auch nur störend. Lange Haare müssen während der Behandlungen von Gesicht, Körper und Füssen auf jeden Fall zusammengenommen sein. Und ganz schlecht ist es, wenn jemand, egal ob männlich oder weiblich, sich ständig die Haare aus dem Gesicht streicht.

 

Gepflegtes Auftreten ist wichtig

Nun zum Styling: In einem Beauty-Bereich gehört natürlich ein entsprechendes Make-up dazu. Wie dezent oder auffällig dieses ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab. In erster Linie muss es zu der jeweiligen Person passen, also typgerecht sein. Und natürlich exakt, nicht verschmiert oder halb weggewischt. Also ab und zu überprüfen! Haben Sie u. a. mit dem Verkauf dekorativer Kosmetik zu tun, darf Ihr Make-up auch etwas auffälliger sein, dann verkaufen sich die entsprechenden Produkte besser. Machen Sie hauptsächlich Fusspflege oder Körperbehandlungen, halten Sie sich mit dem Make-up etwas mehr zurück. Das wirkt authentischer. Eine dem Hauttyp und Hautzustand entsprechende Grundierung ist dabei das Wichtigste. Das sollten auch die Herren, die in diesen Bereichen arbeiten, beachten – und Unreinheiten dezent abdecken. Für Männer und Frauen gilt: Haare entfernen, wo sie nicht hingehören. Nicht nur Frauen gewinnen durch wohlgeformte Augenbrauen – und bei den Herren ist ein gepflegter Bart möglich.

Es versteht sich wohl von selbst, dass unsere Hände, unsere besten und wichtigsten Arbeitsgeräte, immer optimal gepflegt sind. Rissige Fingerkuppen, Schwielen und abgeblätterter Nagellack sind tabu. Das Gleiche gilt für Ihre Füsse, vor allem, wenn sie sichtbar sind. Bei einer Aromamassage vor ein paar Jahren in einem Club in Tunesien hatte der Behandler keine Schuhe an, und auf dem Bauch liegend und durch das Loch in der Massageliege blickend konnte ich bei diesem Anblick einfach nicht entspannen. Ebenso erging es mir letzten Sommer in einer Physiotherapiepraxis. Der Inhaber hatte Wandersandalen an. Ich habe die Praxis gewechselt!

Nichts ist für einen Kunden schlimmer als unangenehme Gerüche des Gegenübers. Und das bezieht sich nicht nur auf die „schlechten“ Gerüche, sondern auch auf sogenannte gute Düfte.

 

Beweisen Sie Seriosität

Achten Sie auf Schweiss- oder Mundgeruch. Sprechen Sie sich mit allen Mitarbeitern ab, sofort ein Feedback zu geben, wenn etwas nicht in Ordnung ist, denn selbst merkt man es vielleicht nicht. Essensgerüche oder Alkohol von nur einem Glas Prosecco im Atem und in der Kleidung machen einen schlechten Eindruck. Genauso ist ein Zuviel an Parfum für viele unerträglich. Und auch ein Gemisch von Eau de Toilette, Deodorant und Haarspray kommt nicht gut an.

Sowohl in Bezug auf Outfit als auch Styling halte ich immer Augen, Ohren und die Nase offen, um herauszufinden: Was hinterlässt einen positiven Eindruck, und was fällt mir negativ auf? Das gebe ich in meinen Beratungen weiter und oft sensibilisiere ich dadurch die zu beratenden Personen erst auf diese Reize. Das angenehme und harmonische Erscheinungsbild ist Beweis für Seriosität. Und immerhin hängt davon laut Studien 55 Prozent Ihres Erfolges ab.

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Wichtige Aspekte, die es für mehr Erfolg zu beachten gilt

Seien Sie sensibel bei der Überlegung, was an Ihrem Outfit oder dem Ihres Teams aus der Sicht der Kunden dringend beachtet werden muss.

  • Die Arbeitskleidung sollte eine angemessene Passform haben.
  • Durch eine einheitliche Arbeitskleidung ist das Team sofort erkennbar.
  • Zu kurze Röcke und zu tiefe Ausschnitte sind No-Gos.
  • Accessoires und Schmuck sollten dezent eingesetzt werden.
  • Die Schuhe sollten einen vorteilhaften Gang ermöglichen.
  • Das ganze Outfit sollte absolut sauber und fleckenfrei sein.
  • Parfums oder Eaux de Toilette sollten sparsamst benutzt werden.
  • Lassen Sie im Team bei Schweiss- oder Mundgeruch sofort Feedback geben – oftmals bemerkt man diesen selbst nicht.
  • Styling und Make-up sollten zurückhaltend sein – es sei denn, man möchte ausdrücklich dekorative Kosmetik verkaufen.

 

 

 

 

 

Autorin

Uschi Piel führte 30 Jahre lang ein eigenes Kosmetikinstitut. Sie ist u. a. Visagistin, Farb- und Stilberaterin sowie Linergistin. Im Allgäu betreibt sie ein Permanent Make-up-Studio, mit ihrer Firma „beauty mitallensinnen“ bietet sie ausserdem Dienstleistungen für Kollegen und Interessierte.

mas@uschipiel.de

 

 

 

Text: Uschi Piel

Fotos: stock.adobe.com (2), Uschi Piel (1)

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