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Eine Heldenbrust

Weibliche Formen verstören, wenn sie dort auftreten, wo sie keiner erwartet – nämlich bei Männern. Wächst hier eine Brust, ist das eine grosse psychische Belastung. Abhilfe ist möglich.

Veröffentlicht am 26.05.2021

Bei der Gynäkomastie handelt es sich um ein – fast immer – gutartiges, aber ungewolltes Wachstum der Brustdrüse oder des umgebenden Fettgewebes, das bei männlichen Jugendlichen, aber auch bei erwachsenen Männern auftritt. Sie kann einseitig oder auf beiden Seiten auftreten und führt bei den Betroffenen oft zu einem gestörten Selbstbewusstsein und zu grossem Schamgefühl. Denn eine vergrösserte Brust gilt bei Männern als nicht sonderlich attraktiv. Je nach Ursache der Gynäkomastie müssen die Therapien verschieden angesetzt werden. Man unterscheidet folgende Formen:

Echte Gynäkomastie: Bei dieser Art der Gynäkomastie handelt es sich eigentlich nur um ein Symptom als Reaktion auf verschiedene hormonelle Störungen bzw. Erkrankungen oder auf Nebenwirkungen von Medikamenten, die zu einer Brustvergrösserung führen können. Ursachen der echten Gynäkomastie sind in der Regel vorübergehende oder permanente Störungen im Hormonhaushalt. Im Wesentlichen lassen sich folgende Auslöser unterscheiden:

  • die verringerte Produktion von männlichen Geschlechtshormonen
  • Erkrankungen wie Schilddrüsenprobleme, Leber- und Nierenerkrankungen, Tumorerkrankungen (Prostatakarzinom)
  • Brustkrebs beim Mann
  • Zufuhr von Hormonen durch das Essen: hormonbehandelte Lebensmittel sowie übermässiger Genuss von mit Hopfen gebrautem Bier
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • regelmässiger Marihuana-Konsum

 

Pubertätsgynäkomastie: Während der Pubertät kommt es bei manchen Jungen zu einem ungewollten Brustwachstum, das sich in aller Regel wieder vollständig zurückbildet. Ausgelöst wird dies Studien zufolge durch eine Disbalance der Sexualhormone: einem erhöhten IGF-1-Wert (Insulin- like Growth Factor 1) bei zusätzlich erhöhtem Östrogen- und Testosterongehalt. Bildet sich dieses Brustdrüsengewebe nach dem 20. Lebensjahr nicht zurück oder liegen Hormonstörungen vor, lässt es sich nur noch chirurgisch entfernen. Männliche Jugendliche kann diese sogenannte Pubertätsgynäkomastie psychisch erheblich belasten, oft meiden sie dann sportliche Aktivitäten, z. B. gemeinsames Schwimmen.

Altersgynäkomastie: Im Alter nimmt die Produktion von männlichen Hormonen in den Hoden ab, gleichzeitig werden im Fettgewebe vermehrt Androgene in Östrogene umgewandelt. Beide Effekte gemeinsam können dazu führen, dass das Brustdrüsengewebe zu wachsen beginnt. Gleichzeitig erschlafft die darüber liegende Haut und das Volumen des darunterliegenden Musculus pectoralis nimmt ab. Das Ergebnis ist eine «Hängebrust» beim Mann. In ausgeprägten Fällen kann hier eine Liposuktion (Fettabsaugung) oder gar eine Kombination aus Liposuktion und Mastektomie (Entfernung des Brustdrüsengewebes) inklusive einer Straffung sinnvoll sein.

Pseudogynäkomastie (Lipomastie, Fettbrust): Bei starkem Übergewicht (Body Mass Index über 30) zeigt sich eine Brustbildung allein durch die vermehrte Bildung von Fettgewebe in diesem Bereich. Die Ursache der Lipomastie ist also lediglich eine Zunahme des Fettdepots. Diese kann sich daher durch eine angepasste Diät wieder zurückbilden. In ausgewählten Fällen ist eine unterstützende Liposuktion jedoch sinnvoll.

Bei einer Gynäkomastie sollte per Ultraschall-Untersuchung abgeklärt werden, dass z. B. kein Tumor die Ursache ist

Bei einer Gynäkomastie sollte per Ultraschall-Untersuchung abgeklärt werden, dass z. B. kein Tumor die Ursache ist

Erkrankungen ausschliessen

Abklärung: Grundsätzlich sollte primär eine Ultraschall-Untersuchung der Brust vorgenommen werden, um zu unterscheiden, ob es sich um eine vermehrte Ansammlung von Fett- oder Brustdrüsengewebe handelt. Das dient auch zum Ausschluss von Tumoren. Bei allgemeinen Beschwerden wie Spannungsgefühl, plötzlichem Brustwachstum, Bewegungseinschränkung oder einer besonderen Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen sollten zudem Hormonabklärungen und ein Ultraschall der Hoden vorgenommen werden.

Behandlung: Da die psychische Belastung meist sehr hoch ist, kann primär versucht werden, die Rückbildung der Brust durch die Einnahme von Hormonpräparaten herbeizuführen, das Gewicht zu reduzieren, die entsprechenden Medikamente abzusetzen und auf hormonbehandeltes Fleisch zu verzichten. Da dies jedoch nicht immer zum gewünschten Erfolg führt, lässt sich die Brust durch einen operativen Eingriff verkleinern.

Technik: Bei einer reinen Fettansammlung kann eine Liposuktion ausreichen, um die ungewollte Brust beim Mann zu beseitigen. Besteht jedoch auch ein Überschuss an Drüsengewebe, wird der Brustdrüsenkörper über einen Schnitt um die Brustwarze entfernt. Liegt eine sehr grosse Brust vor mit einem erheblichen Hautüberschuss, muss in einem zweiten Operationsschritt eine Bruststraffung erfolgen. Der Eingriff erfolgt ambulant oder stationär, vorzugsweise in einer kurzen Narkose.

Risiken: Mögliche Infektionen, Nachblutungen, Hämatome, Serome (Wundwasseransammlung), Narben und Taubheitsgefühle rund um die Brustwarze lassen sich in der Regel behandeln und korrigieren. Korrekturoperationen sind möglich.

Nachbehandlung: Tragen eines straff sitzenden Brustbandes für ca. vier Wochen, danach können sportliche Betätigungen wieder aufgenommen werden. Je nach Ausmass und Ursache werden die Kosten des Eingriffs von der Krankenkasse übernommen. Oft ist die Gynäkomastie jedoch ein rein ästhetisches Problem, dessen Behandlung selbst zu bezahlen ist.

 

 

 

 

Dr. Med. Colette C. Camenisch ist Fachärztin FMH für Allgemeinchirurgie sowie Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie. Die Ärztin ist Partnerin im Zentrum für Plastische Chirurgie der Klinik Pyramide am See in Zürich.

info@colettecamenisch. com 

 

 

 

Text: Dr. Med. Colette C. Camenisch

Fotos: stock.adobe.com (2), Colette C. Camenisch (1)

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