FACE & BODY

Rosacea – Ursachen und fachgerechte Behandlung

Es hat sich viel getan in der Rosacea-Therapie. Daher ist die Hauterkrankung heute bei Weitem nicht mehr so stigmatisierend wie noch vor einigen Jahren. Wichtig ist, dass die Betroffenen fachärztlich und kosmetisch gut betreut werden.

Veröffentlicht am 08.08.2021

Rosacea bedeutet übersetzt so viel wie «Rosenblütchen». Der Name rührt von der typischen Rötung im Gesicht. Besonders gefährdet sind Personen keltischen Typs, also sehr hellhäutige Personen mit roten Haaren und Sommersprossen. Man spricht deshalb im anglo-amerikanischen Sprachraum auch vom «Curse of the Celts», dem Fluch der Kelten. Mit einer geschätzten Anzahl von zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind zwei bis vier Millionen Menschen von dieser chronischen Hautkrankheit betroffen, wobei die Häufigkeit in Skandinavien sogar bis zu zehn Prozent betragen soll. Rosacea, auch Kupferrose genannt, ist also weit verbreitet. Sie tritt im dritten und vierten Lebensjahrzehnt auf und erreicht ihren Höhepunkt zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Männer und Frauen sind nahezu gleich viel betroffen. Männer leiden dabei häufiger an schweren Verläufen, z. B. am Rhinophym, das umgangssprachlich auch als «Knollennase» oder fälschlicherweise als
«Burgunder-» oder «Säufernase» bezeichnet wird.

Die Hauterkrankung ist weder ansteckend noch schmerzhaft. Jedoch nimmt sie schubweise einen chronischen Verlauf. Neben der Gesichtsrötung erweitern sich die Blutgefässe, was die Haut rot «aufblühen» lässt. Rosacea-Patienten tragen die Anzeichen ihrer Erkrankung deutlich sichtbar im Gesicht. Der psychosoziale Einfluss dieser chronisch-entzündlichen Erkrankung ist enorm gross und beeinträchtigt das Selbstwertgefühl.

 

Auslösende Prozesse

Eine Rosacea entsteht durch verschiedene Mechanismen:

  • eine Störung der Gefässregulation, die feinen Blutgefässe im Gesicht reagieren also anormal
  • eine Entzündungsreaktion, d. h. bestimmte Strukturen in der Dermis werden geschädigt
  • eine Störung im Immunsystem

Ausserdem scheint eine hohe Besiedlung der Haut mit Demodex-Milben die Entzündungsreaktion zu aktivieren. Demodex-Milben besiedeln die Haarfollikel und finden sich bei Rosacea-Patienten in sechsfach höherer Dichte als bei Gesunden. Zugrunde liegt fast immer ein seborrhoischer Hauttyp – und die Veranlagung zur Rosacea ist vererbbar.

Die typischen Rötungen auf verdickter, grossporiger Haut reichen dem Dermatologen häufig aus, um die Diagnose zu stellen. Bei ausgeprägten oder unklaren Fällen kann es ratsam sein, eine Probebiopsie zu entnehmen und die Diagnose durch eine feingewebliche Bestimmung zu sichern. Differentialdiagnostisch muss die Rosacea von der Akne, von Ekzemen und von der Mundrose (periorale Dermatitis) abgegrenzt werden.

Auch andere Erkrankungen, die Rötungen im Gesicht hervorrufen, wie Lichtschäden, Lupus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten ausgeschlossen werden. Durch eine unkritische und langfristige Anwendung von Kortisonsalben im Bereich der Gesichtshaut kann es zu anhaltenden Rötungen und Teleangiektasien kommen (sog. «Kortison-Schaden»). Typischerweise zeigt die Haut jedoch hier einen verdünnten, atrophischen Aspekt. Andererseits kann auch die fortgesetzte äussere und innere Anwendung von Kortison zu Rosacea und Rosacea-artigen Hautveränderungen führen. Schwierig ist die Diagnosestellung bei Mischerkrankungen, wenn z. B. gleichzeitig eine Akne mit den für Rosacea untypischen Mitessern vorliegt.

Grundlage für die Entstehung der Rosacea ist die sogenannte Rosacea-Diathese. Das heisst, die Neigung auf bestimmte Reize mit ausgeprägten Gesichtsrötungen zu reagieren, die nach einer Weile wieder abklingen. Dieser Zustand, auch Flush genannt, kann jederzeit auftreten und klingt dann normalerweise wieder ab. Diese verstärkte Durchblutung kann zu bleibend erweiterten Äderchen führen (sog. Teleangiektasien), die als feine rote Linien auf der Haut sichtbar sind. Diese erweiterten Äderchen kommen insbesondere rund um die Talgdrüsen des Gesichts vor und sind das erste Anzeichen einer Rosacea. Entzündliche Veränderungen um die Talgdrüsen herum treten nur phasenweise auf. Durch die Entzündungen vermehrt sich das Bindegewebe, die Haut verdickt sich. Bleiben diese Schübe lange Zeit unbehandelt, kann ein Rhinophym („Knollennase“) die Folge sein. Diese Veränderung bildet sich nicht mehr zurück.

 

Die verschiedenen Stadien

Stadium I zeichnet sich durch eine flüchtige, anfallsweise auftretende Rötung aus, begleitet von einem Wärmegefühl und Brennen. Teleangiektasien treten häufig, aber nicht notwendigerweise auf. Auch raue Haut, Hautabschuppung oder aber eine Gesichtsschwellung können auftreten. Die Haut ist sehr leicht reizbar und reagiert empfindlich auf äussere Einflüsse wie Sonne, Stress und Alkohol.

Stadium II ist durch eine persistierende (andauernde) Gesichtsrötung mit entzündlichen Papeln, Pusteln oder beidem gekennzeichnet. Häufig beschreiben die Patienten ein Hautbrennen. Die Herde können auch an der Mund-Nasen-Partie auftreten. In diesem Stadium kann die Krankheit einer Akne ähneln, jedoch fehlen Komedonen.

Stadium III ist gekennzeichnet durch entzündliche Knötchen und Knoten sowie furunkelartige Entzündungen. Parallel dazu ist eine Schwellung und Verdickung der Haut erkennbar. Sie wirkt grobporig und wird als sehr empfindlich wahrgenommen.

Bei Männern kann sich durch die Vermehrung des Bindegewebes und der Talgdrüsen ein Rhinophym entwickeln. Begleitend kommt es meist zu prominenten Follikeln, persistierenden Erythemen (Rötungen), Teleangiektasien, Verhärtung und rauer Haut in diesen Bereichen. Auch die Augen können betroffen sein. Die Folge sind Bindehaut- und Lidrandentzündungen sowie trockene Augen. Die Übergänge der einzelnen Stadien sind fliessend, die Symptome können sich durchaus überschneiden.

 

Die Behandlung

In der Rosacea-Therapie hat sich in den letzten Jahren viel getan. Ziel der Behandlung ist es, die Symptome zu reduzieren und Rückfälle möglichst lange zu verhindern. Sie erfolgt symptomorientiert und ganz individuell. Zur Behandlung der papulopustulösen Rosacea wird heutzutage topisches (äusserlich angewendetes) Ivermectin eingesetzt. Es ist dem Metrinodazol, das bislang als Standard galt, deutlich überlegen. Ivermectin unterdrückt die angeborene Immunreaktion tion, reduziert die Dichte von Demodex-Milben um 99 Prozent in 12 Wochen und vermindert entzündliche Hautreaktionen. Es kann bis zu vier Monaten angewendet werden. Alternativ setzt man entzündungshemmende Azelainsäure in Form von Gel bzw. Creme ein, um Papeln und Pusteln zu reduzieren. Ähnlich wirkt Isotretinoin-Creme. Adapalen, ein Verwandter der Vitamin A-Säure, wirkt auch sebumregulierend und antientzündlich.

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Mit dem Einsatz unterschiedlicher Laser-Systeme lassen sich die erweiterten Äderchen im Gesicht erfolgreich behandeln

Mit dem Einsatz unterschiedlicher Laser-Systeme lassen sich die erweiterten Äderchen im Gesicht erfolgreich behandeln

Hilfe von innen

Bei schweren entzündlichen Läsionen (Stadium II) wird ergänzend zur topischen Therapie häufig eine systemische Behandlung erforderlich. Standard geworden ist hier die Einnahme von verkapseltem Doxycyclin 40 mg, einem Antibiotikum. Die Wirkung beruht dabei nicht auf den antibakteriellen, sondern auf den entzündungshemmenden Eigenschaften des Wirkstoffs und die Dosis ist viel niedriger als beim Einsatz als Antibiotikum. Achtung: Das Medikament macht die Haut sonnenempfindlicher! Neu ist auch eine medizinische Creme (Brimonidin), die für acht Stunden über den Effekt der Gefässverengung eine deutliche Verringerung der Gesichtsröte bewirkt.

Im Stadium III der Talgdrüsenvermehrung kommt neben der bisher beschriebenen Therapie die Einnahme von Isotretinoin (Vitamin A-Säure) zum Einsatz. Die Risiken und Nebenwirkungen dieses Wirkstoffs sollten hierbei berücksichtigt werden und können seine Verwendung einschränken. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Isotretinoin- Therapie eine wirksame Verhütungsmethode anwenden. Weiterhin ist eine regelmässige Kontrolle der Cholesterinund Triglyceridwerte sowie der Leberenzyme notwendig.

Die erweiterten Äderchen im Gesicht (Teleangiektasien) sind nicht mit einer medikamentösen Therapie behandelbar. Sie lassen sich jedoch bestens mit dem Laser entfernen. Verschiedene Lasersysteme wie z. B. Argonlaser, KTP-Laser, Farbstofflaser oder Blitzlampen (IPL) werden heutzutage dafür eingesetzt. Je nach Grösse der zubehandelnden Fläche sind eventuell mehrere Sitzungen nötig. Nach der Behandlung sind für wenige Tage eine Rötung und Schwellung sichtbar. Beim Rhinophym wird das gewucherte Gewebe mit dem CO2-Laser oder Erb-YAG-Laser abgetragen, bis eine normale Nasenform erreicht wird. Durch diese Korrektur erhalten die Betroffenen wieder ihre normale Nasenform und -grösse zurück, was für sie psychisch extrem entlastend sein kann.

 

Sanft und beruhigend

Bereits die richtige Hautpflege verbessert die Rosacea-Symptome. Extra milde, seifenfreie, pH-neutrale Waschlotionen oder Syndets beruhigen die empfindliche Gesichtshaut. Dermatokosmetika mit Aktivstoffen, die eine Verminderung der Röte und der sichtbar erweiterten Blutgefässe im Gesicht bewirken, können die medikamentöse Behandlung sinnvoll ergänzen. Auf alkoholische Reinigungs- und Aftershave-Produkte sollte in jeden Fall verzichtet werden. Auch Scrub Peels sowie anregende Wirkstoffe wie Menthol sind für Rosacea-Betroffene nicht von Vorteil. Spezielle Peelings mit Arginin und Milchsäure verbessern das Hautbild sehr gut und reduzieren die Entzündungszeichen.

 

Gutes und schädliches Licht

Neu ist eine photobiodynamische Therapie, bei der ein photosensitiver Cocktail auf die Haut aufgetragen wird, der dann mittels gelbem HDD-LED-Licht (590 nm) aktiviert wird. Es kommt zur schnell sichtbaren Entzündungshemmung, Oxygenierung (Sauerstoffbindung) und Zellstimulation.

Ein absolutes Muss für Rosacea-Patienten sind Sonnenschutzprodukte. Empfehlenswert sind hohe Lichtschutzfaktoren sowie öl- und duftstofffreie Präparate. Auch wenn es zunächst so scheint, als ob Sonnenlicht die Hauterscheinungen bessert, ist tatsächlich das Gegenteil der Fall: Die Bräune verdeckt die Rötungen im Gesicht nur, während sich durch UV-Strahlung die Teleangiektasien noch verstärken. Auch wenn es keine spezielle Rosacea-Diät gibt, sollten Speisen gemieden werden, die zu einer Gefässerweiterung im Gesicht führen. Dazu gehören vor allem Alkohol, heisse Getränke und scharf gewürzte Speisen. Auf Tabakerzeugnisse sollte ebenso verzichtet werden. Da bei vielen Patienten Stress zu einer Rötung der Gesichtshaut führt, kann es hilfreich sein, eine geeignete Methode zu finden, mit Stress umzugehen.

Die Kombination von Alkohol und Sonnenbaden ist ein echtes «No-Go» für Menschen, die zu Rosacea neigen

Die Kombination von Alkohol und Sonnenbaden ist ein echtes «No-Go» für Menschen, die zu Rosacea neigen

Achtung, Auslöser!

Alle Faktoren, die zur Verschlimmerung der Erkrankung führen oder einen Schub auslösen können, sollten möglichst gemieden werden:

  • extreme Temperaturen wie Kälte oder Hitze (z. B. Sauna)
  • exzessive Sonne
  • emotionaler Stress
  • alkoholische Getränke
  • scharf gewürzte Speisen
  • heisse Getränke

 

Schmink-Tipp

Das Abdecken der Gesichtsröte und Teleangiektasien gelingt am besten mit grün getönter Foundation. Darüber kann dann ein gut abdeckendes Make-up bzw. eine Camouflage aufgetragen werden. Wichtig ist nur, sich am Abend auch wieder sorgfältig abzuschminken.

 

 

 

 

 

 

Autorin

Dr. Med. Cordula Ahnhudt-Franke ist Fachärztin für Dermatologie und hat sich auf die Bereiche ästhetische Dermatologie, Lasermedizin sowie Dermatokosmetik spezialisiert. Seit 2002 führt sie mit myskin eine eigene Hautarztpraxis auf der Insel Mallorca.

info@myskin-mallorca.com 

 

 

 

 

Text: Dr. Med. Cordula Ahnhudt-Franke

Fotos: stoack.adobe.com (3), Dr. Med. Cordula Ahnhudt-Franke (1)

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